Liebe und Sexualität, als Kriegsmaschine gesehen.

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Bild: Wildenten, Junges; am Teich im Schlosspark zu Destedt.

 „ … Die Riten der Transvestie oder die Verkleidung des Mannes als Frau in primitiven Gesellschaften lassen sich weder durch eine gesellschaftliche Organisation erklären … noch durch eine psychische Organisation, die dazu führt, dass der Mann sich ebenso sehr wünscht Frau zu sein, wie die Frau, Mann zu sein. … Es zählt aber nur, dass die Liebe selber eine Kriegsmaschine ist, die eigenartige und fast furchtbare Kräfte besitzt. Sexualität ist die Produktion von tausend Geschlechtern, die lauter unkontrollierbare Arten von Werden sind. Die Sexualität vollzieht sich durch das Frau-Werden des Mannes und das Tier-Werden des Menschlichen, das Aussenden von Partikeln. …“

Die Kooperation der Evolution von Maschinen und Menschen – in ihrer Zusammensetzung zu neuen Maschinen, auch zu Kriegsmaschinen; deren Annektion von Energiequellen, die Änderung ihrer Richtung – kann Ungeheuer gebären.

Toleranz klingt an der Oberfläche als eine Begrifflichkeit, an der nichts auszusetzen ist. Bei der Einkreisung durch Definitionen offenbart sich ein Abgrund: „Achtung und Duldung gegenüber anderen Auffassungen, Meinungen und Einstellungen.“ Oder: „das Maß, in dem etwas von einem Standardwert abweicht.“ Das ist der Unterschied zwischen Angela Merkel, in ihrem Frau-Werden ganz Mann geworden, und Barack Obama, ein Schwarzer, der es geschafft hatte, schwarz zu werden und deshalb angesichts der Opfer von Orlando von MitbürgerInnen sprach, deren Lebensentwurf er damit nicht nur duldete, sondern eine Gleichwertigkeit zusprach, ihn als Möglichkeit des Ausdrucks anerkannte.

Wer nur duldet, „toleriert“, – auch einer Liebesfähigkeit gegenüber, die nur das gleiche Geschlecht  meinen kann, warum auch immer – spricht Menschen damit im Grunde ihr Ganzsein ab. Fortpflanzung aber allein kann nicht das Ziel von Sexualität, von Liebesfähigkeit sein. Diese dienen, man kann das schon bei den Bonobo-Affen beobachten, vor allem aber zuerst einmal der Stabilisation einer Gemeinschaft. Auch Heterosexuellen kann man dann im Umkehrschluss ihr Ganzsein absprechen.

Wenn man näher hinschaut, auf den Prolog, sieht man den Besuch des ‚Pulse’, auch vor der Katastrophe, mehrmals, das sich betrinken. Der einsame Wolf. Man kann dann auch anderes sehen als einen islamitisch inspirierten Terrorakt. Nämlich den Selbstekel, den Selbsthass, die narzisstische Kränkung eines Borderliners angesichts eines Begehrens, das keinen Ausdruck finden darf angesichts der Erwartungen der Eltern, der Religion und nicht zuletzt auch der Gesellschaft. Einen Selbsthass angesichts eines Begehrens, das als Defekt wahrgenommen wird, der sich in einer Abwärtsspirale bis hin zu einem ins grenzenlose erweiterten Selbstmord entwickelt, selbst an seinem Ende noch Camouflage betreibend in seinem Bekenntnis zur IS.

Toleranz. Der Attentäter von Orlando hatte zum Schluss wahrscheinlich keine Toleranz mehr, auch sich selbst gegenüber. Für mich ist es ein fragwürdiges Wort geworden.

 

 

 

 

 

 

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